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GrĂŒner Fliegen oder gar nicht Fliegen? – Ein PlĂ€doyer fĂŒr das Reisen

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Warum sollte man grĂŒner fliegen, wenn es die grĂŒnste Alternative ist, gar nicht mehr zu fliegen? Wenn ich es wirklich ernst meine mit der Nachhaltigkeit, dann darf ich doch eigentlich gar nicht mehr in ein Flugzeug steigen! Solche Gedanken gehen mir immer wieder durch den Kopf.

Über das FĂŒr und Wider von Flugreisen. Eine Meinung.

Ganz auf das Fliegen verzichten?

Als ich angefangen habe, bei GruenerFliegen aktiv mitzumachen, war mir sofort klar: das wird Gegenwind geben! Sobald das Projekt etwas grĂ¶ĂŸer wird, werden Leute uns kritisieren und des Greenwashings bezichtigen. Und diese Kritik ist sicher nicht unberechtigt: Immerhin ist der Flugverkehr fĂŒr ca. 2,8% aller CO2-Emmissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe verantwortlich (Zahlen aus 2016). [1]

See vor Bergen - die meisten von uns muessen fuer diesen Anblick reisen.
@Patricia Woiton

Gemessen an der Gesamtzahl von Menschen, die ĂŒberhaupt je fliegen ist das eine hohe Zahl, denn SchĂ€tzungen zufolge sind nur ca. 3-5% der Weltbevölkerung bisher ĂŒberhaupt geflogen.[2] Aber gemessen an 100% CO2-Emmissionen ist es doch wiederum auch gar nicht so viel, oder? Der Straßenverkehr liegt bei 18% Anteil, unser Strom und WĂ€rme sind mit 41% sind deutlich grĂ¶ĂŸere Einflussfaktoren. [3]

Gletscherspalte mit Frau im Vordergrund - Der Klimawandel und das Reisen.
@Patricia Woiton

Aber machen wir uns nichts vor: besser fĂŒr die Umwelt und nachhaltiger wĂ€re es auf das Fliegen vollstĂ€ndig zu verzichten. Und fĂŒr manche Menschen mag das die beste Lösung sein. Aber fĂŒr mich ist es das nicht. Denn ich glaube nicht, dass Nachhaltigkeit nur Verzicht bedeuten darf! Wie lange halte ich ein Leben aus, in dem ich mir selbst meine HerzenswĂŒnsche versage und darauf verzichte fĂŒr eine unbestimmte und abstrakte Gefahr wie den Klimawandel? Wie lange ist das möglich ohne irgendwann resigniert aufzugeben? Wir spĂŒren gerade in Zeiten von Corona, wie belastend solche Situation auf Dauer sein kann. Nachhaltigkeit muss daher aus meiner Sicht auch ohne faule Kompromisse und ohne das GefĂŒhl von Verzicht möglich sein, sonst wird es nicht von Dauer sein!

Die Nachhaltigkeit und ich

Selbst definiere ich mich immer mehr ĂŒber das Thema Nachhaltigkeit in meinem Leben. Ich besitze kein Auto; anfĂ€nglich aus KostengrĂŒnden, aber mittlerweile bin ich ĂŒberzeugte Nicht-Auto-Besitzerin (mit Ausnahme von meinem Traum eines eigenen Vans, den ich mir sicherlich irgendwann erfĂŒllen werde). Ich esse kein Fleisch, lebe ĂŒberwiegend vegan. Ich kaufe inzwischen sehr saisonal und regional ein, wenn möglich auf dem Wochenmarkt, aber zumindest immer mehr plastikfrei im Bio-Supermarkt. Damit bin ich in den Bereichen Verkehr und ErnĂ€hrung schon sehr umweltschonend.

Huegellanschaft mit Schnee
@Patricia Woiton

Was mir dabei sehr wichtig ist: Ich möchte dabei weder Autobesitzer noch Fleischesser verunglimpfen und kritisieren. Ich finde es so viel besser, wenn jeder das tut, was er mit sich und seinem Leben vereinbaren kann, als wenn man das Streben nach Nachhaltigkeit komplett aufgibt, weil man keine 100% schaffen kann (denn wer schafft die schon?). In der Stadt ist beispielsweise der öffentliche Nahverkehr selbstverstĂ€ndlich besser ausgebaut und die Strecken sind mit dem Fahrrad machbar – ich kann mich also ĂŒberhaupt nicht mit Menschen in lĂ€ndlichen Gegenden vergleichen.

Wueste mit Transporter im Sonnnenuntergang - zu erreichen mit GrĂŒner Fliegen
@Patricia Woiton

Wie bei einer ErnĂ€hrungsumstellung und anderen Gewohnheiten, die wir selten von 0 auf 100 umstellen, sondern am besten in kleinen Schritten angehen. Immer in machbaren und realistischen Schritten aber dafĂŒr mit nachhaltigem Erfolg. Und vor allem mit VerstĂ€ndnis und Nachsicht fĂŒr einander statt „Whataboutism“ und Kritik an denjenigen, die versuchen einen Unterschied zu machen.

Ich liebe es zu reisen

Und beim Thema Machbarkeit fĂŒr jeden individuell: fĂŒr mich ist das Reisen mein zweites Herzensthema. Ich liebe es zu reisen, neue LĂ€nder, Landschaften und Kulturen zu entdecken. Mich selbst auf diesen Reisen immer wieder (neu) zu entdecken. Die Reisen in meinem Leben haben mich verĂ€ndert und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Auf Reisen habe ich gesehen und erlebt, wie wir mit der Natur und ihren Ressourcen umgehen. Ich habe verschmutzte StrĂ€nde, WĂ€lder, Felder und GewĂ€sser gesehen, sterbende Korallenriffs und habe Orte besucht, die aufgrund von Wassermangel aufgegeben wurden und heute nicht mehr bewohnbar sind. Und ich habe die Schönheit der Natur kennengelernt und gefĂŒhlt, wie schĂŒtzenswert sie ist!

Weite Landschaft mit Strasse - Nach Island mit einem gruenen Flug?
@Patricia Woiton

Reisen fĂŒrs Klima

Mir ist gerade durch meine Reisen immer klarer geworden, dass viel passieren muss in unserer Gesellschaft, aber vor allem auch, dass ich etwas tun muss! Bei mir und in meinem Leben etwas zu Ă€ndern und meinen Beitrag zu leisten. Wer bin ich also, mit diesem Wissen von anderen zu verlangen, nicht zu reisen? Wer bin ich der grĂ¶ĂŸer werdenden Zahl an Menschen, die reisen wollen (und es sich auch leisten können) zu verbieten, das gleiche zu sehen und zu erleben wie ich? Die gleichen Entdeckungen zu machen und womöglich mit der gleichen Begeisterung, dem gleichen GefĂŒhl nachhaltiger leben zu wollen? Nur wenn wir diese Dinge mit eigenen Augen sehen und fĂŒhlen, werden wir aktiv und haben die Energie in uns, die es braucht, um den Klimawandel zu verlangsamen und die Umwelt zu schĂŒtzen!

Moos und Steine
@Patricia Woiton

Was wĂ€re, wenn das Reisen eine der besten Möglichkeiten ist, das VerstĂ€ndnis fĂŒr andere Kulturen, LĂ€nder und Menschen, die Schönheit und das SchĂŒtzenswerte der Natur zu sehen und damit mehr UnterstĂŒtzung im Streben nach Nachhaltigkeit (und Frieden) zu erlangen? Ist es dann nicht sogar gut, zu verreisen?

Daher glaube ich daran, dass Reisen sogar gut fĂŒr uns, unsere Gesellschaft, das Klima und die Natur sind.

Der Versuch einer Lösung

NatĂŒrlich frage ich mich bei jedem Urlaub, bei jeder Reise und jedem Flug: ist das wirklich nötig? Kann ich nachhaltiger an mein Ziel gelangen? Wie kann ich die nachhaltigste Art zu reisen finden?

Aber manchmal gibt es keine Alternative oder diese dauert viel zu lange, ist ebenfalls nicht nachhaltig (z.B. eine Schiffsfahrt) und ich möchte gern gute Freunde oder Verwandte besuchen oder einfach unbedingt dieses eine Land sehen, von dem ich lange getrĂ€umt habe


Vogel auf Moos - Foto von Patricia von GrĂŒner Fliegen
@Patricia Woiton

Und wenn es keine wirkliche (nachhaltigere) Alternative zu einem Flug gibt, dann buche ich wenigstens den CO2-Ă€rmsten und kompensiere den Verbrauch. Das ist fĂŒr mich die beste Lösung.


[1] https://www.klimaschutz-portal.aero/klimakiller-nr-1/ (Stand 23.02.2021)

[2] https://www.dw.com/de/der-klimawandel-und-das-fliegen/a-42094220; https://www.atmosfair.de/de/gruenreisen/klimagerechtigkeit/

[3] https://www.klimaschutz-portal.aero/klimakiller-nr-1/ (Stand 23.02.2021)


Foto Patricia - unsere Autorin bei GrĂŒner Fliegen

Patricia

Patricia lebt in Berlin und liebt Reisen, Fotografie und Lesen. GruenerFliegen begleitet sie seit Anfang 2021. Nachhaltiges Leben, Gleichberechtigung und ein fairer Umgang aller Menschen miteinander sind ihre Herzensthemen.

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